• Evi

Unsere ersten Tage in Mexiko

Nachdem wir uns Mitte Februar auf die Suche nach unserem nächsten Reiseland begaben, schwankten wir zwischen Ecuador und Mexiko. Die Flugzeit nach Mexiko (Cancun) betrug ca. 2 Stunden und das Beste war - es gab Direktflüge! Des Weiteren waren die Einreisebestimmungen um einiges einfacher als für Ecuador. So entschlossen wir uns kurzerhand und buchten den Flug nach Mexiko.

Anfang März ging es dann los - wir freuten uns darauf unser neues Reiseziel entdecken zu dürfen. Die Einreise verlief - wie immer - ziemlich chaotisch. Als wir gerade beim Einreiseschalter ankamen und unsere Ausweise vorlegten, begann Kind 1 nach rechts, Kind 2 nach links zu rennen. Sie ließen sich zwar schnell wieder einfangen, Kind 2 entdeckte in den knapp 5 Minuten allerdings immer wieder neue Interessante Dinge, die es unbedingt sofort (!) zu entdecken galt. Unserer Meinung nach hatte der Beamte am Schalter (wie so oft) Mitleid mit unseren bereits stark strapazierten Nerven und winkte uns nach der Passkontrolle einfach durch. Wir hatten zu beginn etwas Sorge, da wir keinen Weiterflug gebucht hatten (was "eigentlich" vor der Einreise ratsam wäre). Er gab sich allerdings damit zufrieden, dass wir für 5 Monate durchs Land reisen würden, um im Anschluss mit dem Auto über die Landesgrenze in die USA weiter zu fahren.


Wir hatten viel über den Massentourismus bei Playa del Carmen, Cancun und Tulum gelesen. Das war allerdings alles vor Corona. So nutzen wir die Gelegenheit, die Yucatan Halbinsel ganz ohne Massentourismus entdecken zu können. Als Ausgangspunkt bot sich hierfür Puerto Morelos an. Ein kleines Städtchen, zwischen Cancun und Playa del Carmen. Wir hörten und lasen vielfach, dass es sich hierbei "noch" um einen Geheimtipp handle. Dem ist hinzu zu fügen, dass Puerto Morelos in 2 Teile aufgeteilt ist. Puerto Morelos Beach liegt (wie der Name schon sagt) direkt am wunderschönen Strand mit türkisfarbenem Meerwasser, einigen kleinen Restaurants und Geschäften.




Der andere Teil liegt ca. 5 km entfernt in Richtung Landesinnere. Der Teil, der nicht am Strand liegt, ist kaum bis überhaupt nicht touristisch. Genau hier hatten wir über Airbnb ein Appartement gebucht, wohlwissend, dass wir für einen Strandbesuch eine 10-minütige Taxifahrt benötigen. Da wir uns allerdings schon länger nach einer preiswerten Unterkunft sehnten, die mehr bot als 1 Zimmer mit 2 Doppelbetten und Gemeinschaftsküche, kam uns das genau recht. Auf der 20-minütigen Fahrt vom Flughafen zu unserer neuen Unterkunft, führte unsere Jüngste eine ernsthafte Diskussion mit uns. Sie verstand absolut nicht was wir in diesem fremden Land zu suchen hatten. "Wir wollten doch nach Mexiko!" Erklärte sie uns für Mindestens die komplette Autofahrt und darüber hinaus. Sämtliche Erklärungsversuche, dass wir doch nun in Mexiko seien, ignorierte sie gekonnt und war weiterhin beharrlich in ihrer Aussage, warum wir denn nicht nach Mexiko geflogen seien. Fragt mich nicht mehr wie & warum, aber irgendwann beruhigte sie sich und legte ihre Sorgen beiseite (vielleicht war sie aber auch einfach zu müde). Spät abends um ca. 22.30 Uhr kamen wir erschöpft an der Unterkunft an. Es handelte sich hierbei um ein Appartement in einer gesicherten Wohnanlage. In der Mitte der Anlage gibt es noch ein Stück ursprünglichen Dschungel, drum herum reihen sich ca. 40 Mehrfamilienhäuser im Rechteck. Alle Mehrfamilienhäuser sehen identisch aus und unterscheiden sich lediglich in der Lage und der Hausnummer. Alle 12 Wohnungen in einem Haus sind mit zwei Schlafzimmern, einem Wohnzimmer und einer Küche ausgestattet. Wir hatten unser Appartement im Erdgeschoss. Nachdem wir den Schlüssel, wie vereinbart, auf dem Fensterbrett vorfanden, betraten wir unsere neue Bleibe und freuten uns darauf, endlich wieder mehr Platz zur Verfügung zu haben und selbst kochen zu können. Als ich mir dann jedoch die Zimmer genauer anschaute, wurde es mir etwas anders. Auf dem Boden & auf dem Bett lagen überall schwarze Haare. Beim Gang ins Bad musste ich dann auch noch feststellen, dass weder die Dusche, noch die Toilette geputzt war. Das war für mich eines der schlimmsten Dinge, die passieren konnten. Denn wenn schon im Bad nicht richtig geputzt wurde, wie wurde es dann nur im Rest der Unterkunft gehandhabt?! Ich schrieb unseren Host an, der meinte, dass erst einige Tage zuvor das Appartement komplett gereinigt worden wäre, er würde mir allerdings nochmals jemanden zur Reinigung vorbei senden. Da es mittlerweile 23 Uhr war und wir nicht davon ausgingen, dass er um diese Zeit noch jemanden vorbei schicken würde, putzen wir das Bad selbst und versuchten all die liegen gebliebenen Haare mit dem Gedanken, wir würden nur kurze Zeit hier verbringen, zur Seite zu schieben. Da wir total ausgehungert waren, bestellten wir uns über Whatsapp noch eine Pizza und legten uns danach schlafen. Whatsapp ist hier übrigens eine sehr gängige App für die Bestellung beim Lieferservice. Dadurch erspart man sich die Verständigungsprobleme, die häufig während eines Telefonats auftreten (glaubt mir, ich habe damit Erfahrung).

Am nächsten Tag stellten wir fest, dass das Appartement direkt am Pool gelegen war, was unsere Mädels sehr cool fanden. Da sich unser Schlafzimmer Fenster zur Dschungel Seite hin öffnete, wurden wir am morgen von den darin lebenden Tieren sanft geweckt, was auch ziemlich cool war. Das doofe an der Location war allerdings, dass aufgrund der umliegenden Bäume das Sonnenlicht den Weg in unser Appartement nicht fand. Am zweiten Tag traf ich am Pool eine freundliche Peruanerin, die mir jemanden empfahl, der einige Wohnungen in der Wohnanlage vermittelte. Eine Stunde später kam dann auch schon eine freundliche Frau am Pool vorbei und schluckte zunächst, als ich ihr von unserem Wochenmietpreis erzählte (was uns wenig überraschte). Sie fragte mich anschließend, ob ich Lust hätte mir die anderen Wohnungen anzuschauen. Diese gäbe es für einen deutlich geringeren Preis. Da sagte ich natürlich nicht nein. Und tatsächlich, die zweite Wohnung, die sie mir zeigte hatte alles, was ich mir wünschte. Ok fast alles. Der Wäschetrockner fehlte. Aber ansonsten war es eine sehr schön eingerichtete Wohnung. Sauber, mit relativ gut ausgestatteter Küche, großer Couch und viel Sonnenlicht. Wir überlegten nicht lange und sagten ihr direkt zu. Die Putzfrau der alten Wohnung war zu dem Zeitpunkt noch immer nicht aufgetaucht.


Glücklicherweise konnte man über Booking täglich mit Geld zurück Garantie stornieren, was wir dann auch direkt taten. So konnten wir am vierten Tag unsere neue Wohnung beziehen und waren überglücklich!


Bei einem Ausflug zum nahegelegenen Spielplatz, trafen wir unter all den Mexikanern lustiger Weise einen Österreicher, der schon mehrere Jahre in Puerto Morelos lebt. Wer weiß ob es Zufall war, aber nachdem wir uns einige Zeit austauschten, erzählte er uns von der Schule, die seine Frau vor einem Jahr nach Ausbruch der Pandemie mitten im Dschungel gegründet hatte. Unser Interesse wurde immer größer als er erwähnte, dass Kinder ab ca. 3 Jahren die Schule besuchen könnten. So kam es dazu, dass wir uns die Schule gemeinsam mit unseren Mädels schon am darauffolgenden Tag anschauten. Wir waren alle vier total erstaunt und begeistert. Die Schule war tatsächlich mitten im Dschungel. Die Mädels sprangen direkt los zur Seilbahn. Zudem gab es ein Trampolin, eine Schaukel, genügend freie Fläche zum Austoben und ein kleines Häuschen, in dem der Unterricht statt fand. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass in Mexiko auch der Kindergarten als Schule bezeichnet wird. Das Konzept dieser Schule fanden wir sehr interessant. So stellten wir uns einen Waldkindergarten in Kombination mit einer Walldorfschule vor.



Mit viel Verständnis werden die Kinder auf spielerischem Wege dazu ermutigt neues zu entdecken und sich selbst zu verwirklichen. Dabei spielt es eine große Rolle sich und die Kinder gegenseitig zu respektieren, sowie die Kinder in den Bereichen zu fördern, für die sie sich interessieren. Es kann dabei natürlich vorkommen, dass sich die Interessen unterscheiden und daher die Förderung von Kind zu Kind unterschiedlich ausfällt. Die Lehrer sprechen hauptsächlich spanisch, ab und zu englisch - aber kein deutsch. Dafür gibt es 2 Kinder, die deutsch sprechen und notfalls übersetzen können. Nachdem wir die Lehrer kennengelernt hatten, blieben die Mädels direkt dort und kamen am nächsten Schultag, wie alle anderen Kinder auch, um 9.15 Uhr zum Beginn des neuen Schultags. Wir waren sehr gespannt, wie sich die fehlenden spanisch - und englisch Kenntnisse auf den Schulalltag auswirken würden und was unsere Mädels vom ersten Tag berichten würden. Das und wie es in der darauffolgenden Woche für uns weiter ging, erzählen wir euch im nächsten Blog Beitrag...

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